Benutzer:Pat56318843: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 14. Juli 2019, 20:06 Uhr


Ich traue mich nicht, es vorzuschlagen", simst der Bundesumweltminister. Es ging um einen Termin, für ein Gespräch über ihn und seine Aufgabe, die Energiewende. "Aber am besten wäre es am Freitagabend. Sie müssen eine Vorspeise bestellen. In welcher Größe denn?youtube.com Sie können wählen: drei, sechs oder zehn Tapas? Ich hatte eigentlich nie ein Privatleben", sagt Altmaier, während er sich über die zehn Tapas beugt. "Schon als Jugendlicher bestand mein Leben nur aus Junger Union und Politik.youtube.com Anfangs war das schrecklich", sagt Altmaier. "Die haben über alles Mögliche geredet, über Fußball, über Kino, über Kinder. Aber kein Wort über Politik. Ich treffe sehr viele Menschen.


Meine Theorie ist ja: Wenn Sie frisch verliebt sind, reicht einem auch ein Wohnwagen, dann brauchen Sie keinen Platz. Aber hier, mein Freund Otto! Habe ich bei Ebay ersteigert. Na, was sagt Ihnen der Satz? Sie erlauben, dass ich die Schuhe aus- und Pantoffeln anziehe? Der Norbert war der Hoffnungsträger", erzählt Altmaier. "Ich hingegen wurde von denen geschätzt, die mich kannten. Ich habe mich intensiv mit Telegenität beschäftigt", sagt er. "Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass es attraktive Leute leichter haben. Ob es in der Sache richtig ist, werden die Geschichtsschreiber feststellen. An der ersten Raststätte halten Sie bitte an. Man konnte so viel auf den Teller tun, wie man wollte. So viel Schnitzel, wie man wollte. Und, was machen Sie jetzt noch? Ach", sagt er. "Ich denk, ich leg mich jetzt 'ne Stunde hin.


Ob es um Beförderungsfragen ging oder um neue Vorschriften der Luftwaffe, stets führte Gehrts ein paar Geheimakten bei sich, um sie vor Anni Krauss im Dämmerlicht der Orakelstube auszubreiten. Der Oberst wußte nicht, daß die Wahrsagerin zu Schu-Boys Informanten-Netz gehörte. Witwe Krauss brachte jede von Gehrts stammende Nachricht zu ihrer alten Freundin Toni Graudenz. Er vertrat die Wuppertaler Firma Blumhard, die Fahrgestelle für Flugzeuge herstellte; daher hatte er oft im Reichsluftfahrtministerium zu tun. Dort lernte er auch Schulze-Boysen kennen. Er teilte dessen Abneigung gegen den Nationalsozialismus, zumal Anni Krauss beizeiten warnte, sich auf den sowjetischen Einmarsch in Berlin vorzubereiten. Von Frau Krauss auf die Zukunft vorbereitet, hatte sich Graudenz in die Schar der Schu-Boy-Kundschafter eingereiht.


Ihm gelang es leicht, enge Verbindungen zu Ingenieuren der RLM-Abteilung "Generalflugzeugmeister" zu knüpfen, bald stand er in dem Ruf, eine besondere Vertrauensstellung im Ministerium zu genießen. Er verkehrte mit hohen Offizieren, die ihm wiederholt Geheimbücher mit Produktionsstatistiken ausliehen. Zu seinen unfreiwilligen -- Informanten zählte mancher, dem jede Opposition gegen das NS-Regime fernlag, so der Regierungsbauinspektor Hans Henniger, Referent für Planungsaufgaben, so der Oberstingenieur Martin Becker, der die Konstruktionsabteilung leitete. Sorgfältig trug Graudenz das Gelesene und Gehörte in ein Notizbuch ein, wobei der Feinschmecker zur Verschlüsselung der Informationen Wurstsorten verwandte. Schulze-Boysen bahnte sich auch eine Verbindung zu den Kommandostellen anderer Wehrmachtteile.


Er wollte den Sonderführer Krauss, der in Berlin auf der Ausland-Briefprüfstelle saß, in das Oberkommando des Heeres (OKH) einschleusen und die Besatzungspolitik des Heeres in Rußland beobachten lassen. Ihm ging es darum, alle Versuche gemäßigter Heeresoffiziere -- wie etwa des Obersten Graf Stauffenberg -- zu konterkarieren, die dem besetzten Rußland allmählich eine politische Autonomie einräumen und die russische Bevölkerung als Bundesgenossen gegen Stalin gewinnen wollten.youtube.com Auch hierin zeigte sich, wie wenig die Schu-Boy-Gruppe mit den Plänen der 20.-Juli-Bewegung harmonierte. Während Schulze-Boysen im deutschen Besatzungsgebiet die Sowjetherrschaft wiederherstellen wollte, planten die Offiziere um den späteren Attentäter Stauffenberg eine Ordnung. Hitlers Untermenschen-Politik ebenso abheben sollte wie von Stalins Unterdrückungs-Methoden.


Dolmetscher Krauss war jedoch zu vorsichtig, um auf Schulze-Boysens Vorschlag einzugehen. Er begnügte sich, wie er formulierte, mit "der dankbaren Aufgabe einer Zersetzung der Truppe" und schlug für den OKH-Posten seinen Freund Martin Heliweg vor, der bereits im Osten praktizierte, was Schulze-Boysen vorschwebte. Ins OKH rückte auch der Funker Horst Heilmann ein. Schulze-Boysen hatte den früher vom Nationalsozialismus begeisterten Studenten im Auslandswissenschaftlichen Institut der Berliner Universität kennengelernt, in das Schu-Boy als Seminarleiter eingetreten war. Schon mit 17 Jahren hatte Heilmann sein Abitur gemacht, er war zur Luftnachrichtentruppe eingezogen worden und galt dort als genialischer Kopf. Bei der Nachrichten-Dolmetscher-Abteilung in Meißen bestand der begabte Mathematiker eine Kombinationsaufgaben-Prüfung mit Auszeichnung und kam zu einer geheimnisvollen Abteilung, der Dechiffrierabteilung Ost, in der später die Funksprüche der sowjetischen Spione entschlüsselt wurden.


Der gehemmte Kleinbürger-Sohn schloß sich seinem weltgewandten Seminarleiter Schulze-Boysen an, zumal er sich bald vom Nationalsozialismus gelöst und im Marxismus eine zukunftsträchtige Denk- und Lebensart entdeckt hatte. Zudem fesselte ihn die irrlichternde Persönlichkeit der Libertas Schulze-Boysen, mit der ihn eine enge Freundschaft verband. Heilmann wurde der engste wissenschaftliche Berater Schulze-Boysens. Er schrieb für den Gruppenchef grundsätzliche Erklärungen. Er erarbeitete der Gruppe, was man das Leitbild eines neuen, auf das Rätesystem gegründeten Deutschlands nennen könnte. Nebenbei flocht er mit an dem geheimen Nachrichten-Netz. Im OKH gewann er der Agententruppe neue Mitarbeiter, die allerdings nicht wußten, für wen sie arbeiteten. Auch Heitmann-Kamerad Alfred Traxl, ehemaliger tschechoslowakischer Unterleutnant, war ahnungslos; der Wachtmeister in der 4. Nachrichten-Abteilung des OKH, Leiter der Dechiffrierabteilung West, plauderte aus purer Erzähllust über die erfolgreiche Entschlüsselung sowjetischer Funksprüche. Ebenso arglos arbeitete Schulze-Boysens bester Informant mit, der Abwehr-Oberleutnant Herbert Gollnow, der ein Liebesverhältnis mit der Harnack-Gattin Mildred unterhielt.


Der lebensunerfahrene Gollnow, Sachbearbeiter in der Abwehr-Abteilung II, merkte nicht, daß er bei seinen intimen Zusammenkünften mit der Frau des Oberregierungsrats systematisch ausgehorcht wurde. Freilich, die feinnervige und hochbegabte Amerikanerin Mildred Harnack, Verehrerin deutscher Kultur und Übersetzerin Goethes, war weit entfernt von der sexuellen Unrast, die unter manchen führenden Mitgliedern der Gruppe Schulze-Boysen/Harnack die seltsamsten Querverbindungen entstehen ließ. Es war ein offenes Geheimnis: Schulze-Boysen unterhielt Liaisons mit Oda Schottmüller, der später hinzugekommenen Erika Gräfin von Brockdorff nebst zwei RLM-Sekretärinnen, Ehefrau Libertas war mit Kurt Schumacher verbunden, Hans Coppi wiederum mit der Gräfin Brockdorff. In der Erwähnung solcher Verbindungen wollten sensible Antifaschisten später eine Diffamierung der Toten sehen; ihnen ist offenbar entgangen, daß sie dabei einem bürgerlichen Puritanismus huldigen, der den damaligen Akteuren völlig fremd war.


Man bekannte sich zu seinen Liebschaften. Schu-Boy-Onkel Dr. Jan Tönnies erinnert sich, "daß mit gegenseitigem Wissen und Einverständnis des Ehepaares Schulze-Boysen von beiden Seiten Beziehungen zu anderen Partnern vorhanden" waren und "daß die Ehebrüche nicht die Merkmale von Vertrauensbrüchen" hatten. Solche Lebensgier aber lag der zurückhaltenden Pastoren-Tochter Mildred Harnach fern, deren "edle Erscheinung" jeder rühmte, der sie kannte. Deshalb blieb ein Rätsel, was sie zu Gollnow getrieben hatte. War es Liebe, war es Rührung über den seltsam unbeholfenen jungen Mann oder ein Auftrag des Ehemannes -- Frau Harnacks einzige überlieferte Erklärung deutet die dritte Möglichkeit an. Arvid Harnack nahm denn auch an Herbert Gollnow starkes Interesse, der durch eine Zeitungsannonce in das Haus Harnack gekommen war. Der ehrgeizige Offizier, im Zivilberuf Konsulatssekretär im Auswärtigen Amt, wollte in den diplomatischen Dienst.


Er hatte sich durch Selbststudium vorwärtsgebracht und schließlich nach einem Privatlehrer zur Erlernung fremder Sprachen Ausschau gehalten. Der Privatlehrer hieß Mildred Harnack, die den jungen Mann in ihre Schule nahm. Harnack zog Gollnow ins Gespräch und verlockte ihn durch skeptische Reden über die Kriegslage dazu, Dienstgeheimnisse preiszugeben. Je pessimistischer die Einwände des Oberregierungsrats klangen, desto eifriger belegte ihm der Oberleutnant mit Zahlen, Namen und Einsatzdetails, wie gut es um Führer und Front bestellt sei. Nichts schien dem gläubigen Hitler-Jünger Gollnow frivoler als Zweifel am Endsieg. Und während Mildred Harnack in ungestörter Zweisamkeit den Schüler zu weiteren Mitteilungen ermunterte, meldete sich bereits ein neuer Besucher an, der ebenfalls Nachrichtendienst-Offizier war.


Leutnant Wolfgang Havemann gehörte zur Verwandtschaft: Er war ein Neffe des Oberregierungsrats. Auch dieser Offizier saß in einer für die Sowjetspione interessanten Dienststelle. Havemann arbeitete beim Chef der Abteilung III des Marinenachrichtendienstes in der Seekriegsleitung und kannte zweifellos manche geheimen Vorgänge im Oberkommando der Kriegsmarine.youtube.com Hätte sich der Harnack-Neffe für die Sache seines Onkels gewinnen lassen, wäre die Rote Kapelle auch ins OKM eingesickert. Doch der Neffe entzog sich den Überredungskünsten von Onkel und Tante, nachdem er im Anfang einige militärische Dienstgeheimnisse ausgeplaudert hatte. Mochte Harnack noch so erregt argumentieren, Havemann blieb bei seiner Meinung, was der Onkel vorhabe, sei Verrat am Vaterland.


Er warnte Harnack immer wieder, aber anzeigen wollte er den Onkel nicht. Auch ohne Havemanns Hilfe verfügten Harnack und Schulze-Boysen bereits über ein Nachrichtensystem, das ihnen wichtige Geheimnisse der deutschen Kriegführung bloßlegte. Nacht für Nacht, wann immer die Sender der Agentengruppe in Berlin arbeiteten, erfuhr der sowjetische Generalstab, was der Gegner dachte und plante. Schulze-Boysens Nachrichtendienst meldete nach Moskau, daß deutsche Soldaten bei einer Durchsuchung des sowjetischen Konsulats in der finnischen Stadt Petsamo einen Chiffrierschlüssel erbeutet hatten. Er erfuhr. daß die Abwehr durch den Besitz britischer Funkschlüssel alliierte Geleitzüge zwischen Island und den nordrussischen Häfen schon vor ihrem Auslaufen kannte.


Er wußte, an welchen Punkten deutsche U-Boote vor Murmansk lauerten, um die Geleitzüge abzufangen. Er konnte manchen Befehl, manchen Konstruktionsplan der Deutschen mitlesen: Orders für den Einsatz russischantikommunistischer Freiwilligenverbände an der Ostfront, Zeichnungen neuer Luftwaffengeräte, Produktionstabellen der Rüstung. Schulze-Boysen funkte nach Moskau: Quelle: Choro. Neues Messerschmitt-Kampfflugzeug hat zwei Geschütze und zwei MG seitlich in den Flügeln montiert. Entwickelt Geschwindigkeit bis zu 600 Kilometer in der Stunde. Da wußten Schu-Boys Kundschafter von einer sogenannten ikonoskopischen Bombe zu berichten, da waren ihnen neue Ortungsgeräte der Luftwaffe bekannt, da informierten sie über Wasserstoffsuperoxyd-Antriebe für Abwehrwaffen. Da erforschten sie ferngesteuerte Torpedos, kannten die Abwehrwaffe "Luftengel-Bodenengel" und zauberten Handzeichnungen aus den Safes der supergeheimen Auerfabrik in Oranienburg heraus.


Die Offensivpläne der Heeresgruppe B im Raum Woronesch für den Frühsommer 1942 waren den Spionen teilweise bekannt, auch die Zielvorstellungen der deutschen Kaukasus-Offensive. Schu-Boys Funkgerät tickte: Quelle: Choro. Plan III mit Ziel Kaukasus tritt Im Frühjahr 1942 in Kraft. Aufmarsch soll bis 1. Mai beendet sein, Aller Nachschub geht ab 1. Februar mit Hinblick auf dieses Ziel. Aufmarschraum für Kaukasusoffensive: Lasowaja -- Balakleja -- Tschungujew- Belgorod-Achtyrka-Krasnograd. Besonders über die deutschen Kommando-Unternehmen hinter den sowjetischen Linien zeigten sich die roten Späher gut informiert. Sie kannten den Operationsplan, der vorsah, das Ölzentrum Baku durch deutsche Fallschirmeinheiten zu besetzen. Sie hatten Einblick in die Vorbereitungen deutscher Sabotageaktionen gegen Amerikas Transozean-Flugzeuge.


Sie wußten im voraus, daß der deutsche Geheimdienst von Norwegen aus Agenten in England einschleusen würde. Den Führern der hart bedrängten Sowjetarmeen mußten die Funksprüche der Roten Kapelle wie Signale der Rettung klingen. Der Generalstab in Moskau konnte freilich nicht beurteilen, ob die Meldungen aus Berlin Ergebnisse einer systematischen, alle Aspekte der deutschen Führung erfassenden Aufklärung oder nur Zufallsprodukte einer fleißigen, aber laienhaften Spionage waren; dennoch verlangten die sowjetischen Generale noch mehr Informationen. Jede Meldung gab ihnen neue Hoffnung, jede Botschaft aus dem Äther offenbarte Lücken und Schwächen der deutschen Dampfwalze, ließ die Russen trotz aller Niederlagen glauben, eines Tages würden sie die Oberhand gewinnen.


Doch die Agentengruppe in Berlin litt an einer argen Schwäche: Immer wieder versagte ihr Kommunikationssystem. Der Kurzwellen-Dilettant Hans Coppi versuchte zu funken, Wie er es verstand, Und er verstand nur wenig. Dabei war Coppi der einzige Funker, der Schu-Boys Gruppe überhaupt zur Verfügung stand. Die Sowjets hatten drei einsatzfähige Sender (je einen an Harnack, Kuckhoff und Coppi) verteilt, aber Funker für diese Geräte standen nicht bereit; Hans Coppi sollte sie alle bedienen. Coppi zerstörte aus Versehen sein eigenes Gerät, indem er den für Wechselstrom vorgesehenen Apparat an ein Gleichstrom-Netz anschloß; Transformator und Röhren verschmorten. Der Elektrotechniker [http://www.gemaldekaufenonline.com/karl-hauptmann-c-1_190.html Karl Hauptmann Gemälde kaufen] Böhme, ein Freund Coppis, reparierte den Sender.


Neue Schwierigkeit: Coppi mißdeutete Moskaus Funkverkehrsplan. Der Funker verstand nicht, wann er senden und wann er empfangen sollte; er brachte ständig die von Moskau festgelegten Verkehrszeiten und Frequenzen durcheinander. Folge: Der Berliner Agentensender war nicht auf Empfang gestellt, wenn Moskau seine Orders durchgab, und Berlin funkte, wenn die Zentrale Moskau nicht hinhörte. Je drängender die Sowjets aber mehr und mehr Informationen von ihren Berliner Aufklärern anforderten, desto fahriger wurde Coppi. Er mußte von Sender zu Sender jagen, denn drei Sender -- in den auseinandergelegenen Wohnungen Kuckhoffs, Harnacks und Schumachers untergebracht -- sollten zum Schutz vor den Peilern der deutschen Funkabwehr im unregelmäßigen Wechsel arbeiten.


Wieder ging ein Sendegerät zu Bruch, wieder brachte Coppi die Zentrale in Verwirrung. Die Sowjets wurden ärgerlich -- und ließen alle Vorsicht fahren. Moskau hatte schon bis dahin nahezu jede Konspirationsregel verletzt. Es bediente sich eines Agentenchefs, der seit 1933 bei der Gestapo als Regimegegner bekannt war und nachts in Uniform mit antifaschistischen Klebekolonnen durch die Straßen zog. Es verließ sich auf Laien, denen jedwede geheimdienstliche Schulung fehlte. Jetzt verzichtete Moskau vollends auf jede Diskretion. Am 10. Oktober 1941 wies die Zentrale den in Brüssel sitzenden Chefagenten Kent an, sich "sofort zu den drei angegebenen Adressen" Harnacks, Schulze-Boysens und Kuckhoffs zu begeben und zu erkunden, "weshalb Funkverbindung ständig versagt".


Es ist etwas ganz Dummes passiert. Partner, der zugleich Opfer und Bundesgenosse war: den Lebemann Rudolf von Scheliha, Gesandtschaftsrat an der Deutschen Botschaft in Warschau. Herrnstadt verwickelte den schlesischen Edelmann in fragwürdige Devisengeschäfte, durch die Scheliha immer tiefer in das sowjetische Spionagenetz verstrickt wurde. Seit spätestens 1937 stand "Arier" -- so Schelihas Deckname -- im festen Sold der Sowjets und lieferte alle ihm bekannten AA-Vorgänge nach Moskau. Die Honorare des sowjetischen Geheimdienstes wurden mit Verrechnungsschecks der New Yorker Chase National Bank auf ein Scheliha-Konto des Bankhauses Julius Bär & Co in Zürich eingezahlt. Gesamthöhe der Spionage-Honorare: 50 000 Reichsmark. Als Scheliha bei Kriegsbeginn nach Berlin ins AA zurückberufen wurde, blieb Ilse Stöbe in seiner Nähe und hielt den Kontakt zwischen ihm und der Zentrale aufrecht. Jede Anfrage von Hauptmann Petrow, ihrem Führungsoffizier in Moskau, überbrachte "Alta" dem Scheliha.


Und Scheliha gab -- wenn auch von Monat zu Monat zurückhaltender -- Auskunft: über diplomatische Geheimverhandlungen des Reichs, außenpolitische Pläne der Reichsregierung, Interna über die Führer der Achsenmächte. Zur Gruppe Alta gehörte auch der kommunistische Spionage-Profi Kurt Schulze, Fahrer bei der Reichspost und auf Sowjetschulen ausgebildeter Funker. Ihn dirigierte Moskau nun in die Reihen der Roten Kapelle mit dem Auftrag, Hans Coppi das Funken beizubringen. Im November 1941 begann Schulze mit seinem Kursus. Von nun an floß der Funkverkehr zwischen Berlin und Moskau wieder flotter. Die sowjetische Führung konnte zufrieden sein, da brach plötzlich der Kontakt abermals ab. Schulzes Funkgerät, das er schon vor 1939 empfangen hatte, fiel aus und konnte nicht mehr repariert werden; Hauptmann Petrow verlor jede Verbindung zur Alta-Gruppe.


Auch Coppi mußte seine Funksprüche kürzen, denn die deutsche Funkabwehr hatte die Jagd auf die Berliner Sender wiederaufgenommen. In der Bedrängnis griff Moskau zu einem letzten verzweifelten Mittel, besonders riskant gegenüber einem Lande, das die polizeistaatliche Überwachung zu einem schier undurchdringlichen System perfektioniert hatte. Der sowjetische Geheimdienst beschloß, Fallschirmagenten nach Deutschland einzuschleusen, die neue Funkgeräte mitbringen und die Führung der Berliner Agentengruppe antreiben sollten. Tapezierer Anton Börner, Funktionär aus Thüringen, Spanienkämpfer, Absolvent einer sowjetischen Funkerschule. Sie sprangen nachts über Ostpreußen ab oder sickerten in deutschen Uniformen und ausgerüstet mit den Papieren toter Landser in das Niemandsland der Front ein. Hößler tauchte in der Uniform eines Artillerie-Obergefreiten auf, Genosse Barth hatte sich als Wachtmeister verkleidet. Erna Eiffler wurde von einem Flugzeug bei Insterburg abgesetzt. Der massive Einsatz sowjetischer Fallschirmagenten aber zog manchen, bis dahin auf den innerpolitischen Widerstand beschränkten Freund Schulze-Boysens in den Sog der russischen Spionage.


Die Gräfin Brockdorff beherbergte den Agenten Hößler, die Schumachers halfen Fallschirmagenten weiter, der Wetterdienstinspektor Scheel nahm die Uniform eines Fallschirmspringers an sich und versteckte dessen Pistole. Der Bibliothekar Schaeffer verschaffte einem Agenten Quartier, Hans Lautenschläger kleidete einen anderen Sendboten Moskaus ein. Eine breite Spur verband die Widerstandskämpfer mit den eingeschleusten Sowjetspionen, nur allzu leicht erkennbar für die Fahnder der Gestapo. Bereits am 22.youtube.com Mai 1942 wußte die Gestapo in einem Fernschreib-Erlall, daß "am 19. 5. 42 bei Insterburg drei ehemalige KPD-Funktionäre mit Fallschirm aus einem sowjet-russischen Flugzeug abgesprungen" waren. Über den Fallschirmagenten Panndorf meldete das Reichssicherheitshauptamt, er habe "kranke und wunde Füße und bedarf dringend der Ruhe. Wahrscheinlich hat er sich beim Fallschirmabsprung eine Verstauchung oder Verletzung der Füße zugezogen".


Einem so systematisch arbeitenden Polizeiapparat konnte Schulze-Boysens Agentengruppe nicht mehr lange verborgen bleiben. Doch Schulze-Boysen und seine Freunde wiegten sich in Sicherheit.youtube.com Nur einer ahnte die Gefahr, nur einer versuchte zu warnen: Horst Heilmann. Er saß in der Nähe des Chefentschlüsselers der Funkabwehr, des Oberleutnants Dr. Wilhelm Vauck, der seit Wochen einen sowjetischen Funkspruch nach dem anderen dechiffrierte, Kamerad Traxl erzählte dem Gefreiten Heilmann stolz, wie weit es Vauck schon gebracht habe. Ende August 1942 erkannte Heilmann, in welcher Gefahr sein Freund Schulze-Boysen schwebte. Bis dahin hatte er nicht gewußt, daß der mysteriöse Choro, dem Gestapo und Abwehr auf der Spur waren, mit Harro Schulze-Boysen identisch war. Da zeigte ihm Traxl den entschlüsselten Funkspruch, der alles verriet: Moskaus Weisung vom 10. Oktober 1941 mit den drei Adressen Kuckhoffs, Harnacks und Schulze-Boysens. Horst Heilmann stürzte los, den Freund zu warnen.